Bremen

Auf ging es nach Bräääyyym! Die bevorstehende Straßenbahnfahrt bereitete mir durch die Erfahrungen in Dresden eher Bauchschmerzen, doch dann wurde ich positiv überrascht: Die Angestellten in der Straßenbahn waren so nett, dass sie mir sogar zu zweit halfen, das günstigste Ticket für mich zu bekommen und mir Bescheid gaben, wann ich aussteigen musste. Auch hielten sie meine Gitarre, wobei das natürlich auch mit Hintergedanken passiert sein könnte...


Zuerst spielte ich in einer überdachten Passage, doch dieser wunderschöne Hall wurde von einem Ordnungsbeamten nicht begrüßt, sodass ich leider den Platz wechseln musste.


Als ich dann in der Fußgängerzone spielte, bildete sich neben mir wie in Hamburg ein kleiner Fanclub, der mir nach jedem Song Applaus spendete. Ein solcher entstand wohl auch ganz subtil und außerhalb meiner Sichtweite, denn als sich zwei junge Männer lächelnd vor mich stellten, erfuhr ich, dass sie mir schon die ganze Zeit vom Café aus zugehört hatten. Da hatten sie natürlich ein Wunschkonzert von mir verdient! Schön war zu beobachten, dass der eine mit dem Fuß mitwippte und über beide Ohren strahlte und der andere die Augen schloss und fast abzuheben schien. Beide nahmen noch eine CD von mir mit nach Hause und verabschiedeten sich sichtlich zufrieden.


Es war also auch wichtig, mal in die entfernten Cafés zu sehen, aber genauso auch mal einen Blick vor seine Füße zu werfen: Vor mir war nämlich ein kleiner Junge, der seine Mütze abnahm und sich - als würde seine Körpergröße noch nicht ausreichen - niederkniete. Mit dem immer erstaunten Blick sah er zu mir auf und rührte sich nicht mehr von der Stelle. Als nächstes kam dann ein ganz kleines Kind mit süßer Haube und noch in Windeln zu mir und umarmte mich. Oder besser gesagt mein Bein, weil ich leider zu groß war. Wahnsinn, diese unbedingte Liebe, zu der Kinder fähig sind. Ihnen gefällt die Musik, also zeigen sie es auch und sind viel offener als Erwachsene. Als dann auch noch die größere Schwester dazukam, kniete ich mich schließlich zu ihnen und spielte nur für sie. Ihre Begeisterung ging so auf mich und auch auf alle anderen Leute über, dass sich plötzlich eine große Gruppe von Menschen um uns geschart hatte, nur um das Spektakel zu beobachten, wie sehr die Kinder bei der Musik aufgingen.


Vielleicht sollte ich Musik für Kinder machen. Vielleicht auch nicht... Vielleicht sollte ich einfach immer im Hinterkopf behalten, dass diese Menschen, die meine Musik hören, auch mal Kinder waren und nun eben eine andere, eine "erwachsene" Art und Weise entwickelt haben, Begeisterung zu zeigen. Dazu gibt's ein Zitat, das ich sehr passend finde, aber nicht mehr so ganz zusammenbekomme. Ich versuche es mit eigenen Worten: "Kinder haben ein offenes, weites Hirn, das mit dem Prozess des Erwachsenwerdens Stück für Stück zugenäht wird."