Zeitungsartikel in den Westfälischen Nachrichten

Von Claus Röttig


Münster. Kurze Hose, blonde Haare und Turnschuhe: auf den ersten Blick ist Jennifer Berning eine ganz normale 18-jährige. Doch die frisch gebackene Abiturientin hat ganz andere Ambitionen.

Mit dem Gitarrenkoffer macht sie eine "Straßentour". In 15 Städten will die Gitarrenspielerin Station machen, um als Straßenmusikerin zu spielen. Auf der Internetplattform "YouTube" hat es Berning schon zu einer gewissen Berühmtheit gebracht: "Du singst anders als andere: Ich bekomme immer eine Gänsehaut, wenn ich Deine Songs höre", hat einer der Fans gepostet.

Auch die Münsteraner auf der Salzstraße oder an der Stubengasse konnten sich von den Qualitäten überzeugen: Tief in sich versunken singt die 18-jährige inbrünstig, covert Clueso und Co..


"Ich spiele seit 2007 Gitarre und habe 2009 ein Video aufgenommen", gibt sich die Musikerin bescheiden. Das sei dann zusammen mit einigen anderen eben im Internet gepostet worden. "Da haben die Leute dann drauf reagiert." Doch eine Sache stört den Teen. "Ich hatte nie Gesichter zu den Kommentaren: Und das wollte ich ändern." Es wäre einfach spannend, die Menschen einmal persönlich kennenzulernen. Also hat sie sich kurzerhand dazu entschieden, gleich 15 Städte in den Ferien anzufahren. "Ich habe per Facebook dann geschaut, welche Städte sich lohnen und wo ich Fans habe." Also geht es nach Stuttgart und Hannover, Hamburg und Berlin. "Ich weiß aber beispielsweise in Berlin noch nicht so genau, wo ich unterkommen soll - das ist in Braunschweig schon einfacher." Immer wieder bleiben Menschen stehen, hören eine Weile zu, während Berning in ihre Musik versunken ist. "Ich habe ein Repertoire von über 20 Stücken, die ich dann auswendig spiele." Und wenn an einer Stelle die Leute genug haben, wandert sie eben weiter. Kann man denn mit der Straßenmusik Geld verdienen? "Das kommt auf die Stadt, auf das Wetter und die Leute an", so Berning bescheiden. Doch dieses Mal läuft es gut: Reichlich 20-Cent- oder Ein-Euro-Stücke landen im Koffer, ein Fan hat sogar einen 5-Euro-Schein springen lassen. "Es reicht aber sicher nicht, um davon zu leben: aber ich kann so immerhin meine Fahrkarten finanzieren." Denn die Abiturientin, die gerade ein Praktikum im Theaterpädagogischen Bereich macht, fährt mit der Bahn bei ihrer Tournee.


Ambitionen, später einmal Berufsmusikerin zu werden, hat Berning trotz ihrer Straßenmusik aber nicht. "Musik ist und soll ein Hobby bleiben: ich hätte sonst nichts, was für mich ein Ausgleich wäre."


Ein kleines Kind steht vor Berning, tanzt zu der Musik. "Es ist schon ein bisschen komisch, wenn die Leute einfach so gucken - da würde ich dann schon mal gerne Gedanken lesen können." Aber genau das mache auch den Reiz am Straßenmusiker aus: "Ich kann einfach auf die Leute zugehen und zeigen, was ich kann."