Osnabrück

Updated: Aug 7, 2019



Das fing ja super an: Eine Baustelle auf dem Weg zum Bahnhof hielt mich bereits am ersten Tag meiner Straßentour auf, sodass ich den Zug verpasste und eine Stunde lang auf den nächsten warten musste. Immerhin (noch) kein Fehler der Deutschen Bahn – und pünktlich würde ich immer noch kommen.


Wenigstens war das Wetter gut, 30°C und blauer Himmel. Da ich natürlich meine Sonnencreme vergessen hatte, stellte ich mich schon einmal auf Sonnenbrand ein.

In der Osnabrücker Fußgängerzone angekommen, begann ich also meine Straßentour neben einem Currywurststand, dessen Geruch mir regelmäßig in die Nase stieg. Doch so, wie ich beim Musizieren auch Schmerzen abschalten kann, gelang es mir auch, die Hitze und den Currygeruch auszublenden. Nach einer Weile näherte sich eine Gruppe schüchterner Mädchen, die mir den Rücken zudrehte und versuchte, unauffällig in meine Richtung zu schielen. Irgendwann traute sich dann doch eine von ihnen, etwas in meinen Gitarrenkoffer zu werfen; sie entfernte sich aber ganz schnell wieder und am Ende des Songs verließ mich dann die ganze Gruppe.


Leider hatte ich fast nur Laufpublikum, bis auf ein kleines Mädchen im Kleidchen, das zu meinen Liedern tanzte und Gefallen daran fand, mir 50 Cent in den Koffer zu werfen um sie anschließend wieder herauszunehmen. Simon, der mit mir „Still“ gecovert hat, leistete mir freundlicherweise während der ganzen Zeit Gesellschaft, war aber leider zu schüchtern, mit mir zu singen.


Die eingenommenen 4,50€ investierte ich in ein Eis, welches ich in einem bekannten Fastfood-Restaurant kaufte, in dem mich ein freundlich lächelnder Mann mit britischem Akzent (ich liebe britischen Akzent!) ansprach und mich für meine Gitarrenkünste lobte. Das erwärmte mir beim Genuss der kalten Speise das Herz und auch ich verabschiedete mich lächelnd von ihm.


Auf dem Rückweg fiel ein Zug aus und der Ersatzzug hatte 30 Minuten Verspätung – überhaupt gab es am Bahnhof nur Durchsagen, die mit „Wir bitten um Entschuldigung“ endeten. Jo, kein Ding, Deutsche Bahn, wir alle haben vollstes Verständnis.


Als ich dort so saß und auf den verspäteten Ersatzzug wartete, wurde mir klar, dass meine Straßentour viel mehr eine „Zugtour“ werden würde. Ich werde mich viel länger in schlecht klimatisierten Zügen und an überfüllten Bahnhöfen mit ungeduldigen Menschen aufhalten und mich wahrscheinlich das eine oder andere Mal über zu kurze Umsteigezeiten und Verspätungen ärgern, statt auf den Straßen Musik zu machen. Aber diese Strapazen nehme ich auf mich, weil ich jetzt schon weiß, dass es das wert sein wird. Und: Wären besondere Momente noch besonders, wenn sie im Leben überwiegen würden?


In diesem Sinne: Der Straßengig in Osnabrück bildete einen ruhigen und schönen Anfang, ich freue mich schon auf die nächsten Städte, bin gespannt, was auf mich zukommt und hoffe, dort den einen oder anderen von euch zu treffen!